

Sie schrieben von Nachtigallstimmen, von vollkommenem reinen und hellen Silberklang, von Kraftfülle, Biegsamkeit, unendlicher Ausdauer, Süße, Trompetenhaftigkeit, Metall, Helle, Reinheit und Klarheit der Kastratenstimmen!
Carl Maria von Weber (Komponist) über Filippo Sassaroli
“Das Timbre seiner Stimme hatte die Klangfarbe einer hellschwingenden Glasglocke und füllte die Räume der katholischen Kirche wie mit Engelsstimme“
Jules Janin (Schriftsteller) über Caffarelli
„Die frische, klare, glänzende Stimme eines der ewigen Jugend geweihten Kindes“
Johann Adam Hiller (Komponist) über Felice Salimbeni
“Sein Tragen der Stimme und sein Aushalten der Töne war unverbesserlich schön. Er wusste bei einer sogenannten „messa di voce“ die Stimme, mit großer Reinigkeit und Glätte, von der äußersten Schwäche bis zu einem solchen Grade der Stärke zu treiben, dass man einen vortrefflichen starken Trompetenton zu hören glaubte“
Arthur Schopenhauer (Philosoph) über Girolamo Cresentini
„Seine übernatürlich schöne Stimme kann mit keiner Frauenstimme verglichen werden: es gibt keinen volleren schöneren Ton und in dieser silbernen Reinheit hebt er ihn bald zu einer unbegreiflichen Stärke, das es in allen Ecken des Hauses widerklingt, und bald verliert er sich in das leiseste Pianissimo: Dies Schwellen und Sinken des Tones ist ihm besonders eigen“
Charles de Brosses (Philologe)
„Ihre Stimmen haben Glanz und Leichtigkeit, dabei Kraft und Umfang“.
Francois Raguenet (Musikwissenschaftler)
„Übrigens, wenn eine solche anmutige Nachtigall-Stimme in dem Munde eines Akteurs befindlich ist, der eine verliebte Person vorstellet, so wird man vollend entzückt. Die französischen Sängerinnen zum Sopran sind gemeiniglich kleine Mädchen ohne Lunge, ohne Kraft und ohne Atem; dahingegen der besagte Sopran in Italien von starken Männern besetzt wird, deren feste und helle Stimmen sich mit aller Reinlichkeit auch in den geräumigsten Orten hören lässt“.
Allgemeine Musikalische Zeitung Wien über Cresentini
«Seine Stimme die er mit weiser Zurückhaltung braucht, ist unbeschreiblich angenehm, rund, rein und biegsam; seine Manieren voll hoher Kunst und ästhetischer Richtigkeit, ohne im geringsten überladen zu sein. Besonders schön und eigen ist das reine, immer verstärkte Schweben seiner hinreißenden Stimme, womit er in einer Stelle immer crescendo bis zum höchsten a emporstieg, und dann diese Note mit klingender, volltönender Gewalt durch mehrere Takte aushielt“
Johann Joachim Quantz (Musiker) über Giovanni Carestini
“Carestini machte neulich eine Variation, die war nicht anders, als wenn man ein Rad mit der größten Gewalt herumjaget, und doch konnte man alle Töne unterscheiden, wobei es schien, als kostete es ihm nicht die geringste Mühe“
Francois-Joseph Fetis (Musikkritiker) über Senesino
„…das er mit einer durchdringenden, gleichmäßigen und biegsamen Stimme, einer klaren Intonation und einem vollkommenen Triller begabt war…und dass seine Manier auf Einfachheit und Ausdruck sich gründete“
Pier Francesco Tosi (Kastrat, Sänger) über Siface
„In Italien gibt es eine Redensart, dass ein Sänger 100 Vollkommenheiten brauche, und er hat in seiner Stimme 99 davon“
Heinich Heine (Dichter):
Doch die Kastraten klagten
Doch die Kastraten klagten,
Als ich meine Stimm erhob;
Sie klagten und sie sagten:
Ich sänge viel zu grob.Und lieblich erhoben sie alle
Die kleinen Stimmelein,
Die Trillerchen, wie Kristalle,
Sie klangen so fein und rein.Sie sangen von Liebessehnen,
Von Liebe und Liebeserguß;
Die Damen schwammen in Tränen
Bei solchem Kunstgenuß.
Paul Bruns (Pädagoge) 1906 über die Kastraten der Sixtinischen Kapelle
„Der Eindruck war tief unvergesslich. In ihrem unsäglich wehmütigen, melancholischem Timbre berühren einen die Stimmen wie ein langgezogenes, sanft verklingendes Ach und Weh der aus dem irdischen Liebesparadies Verstoßenen….“
Pietro della Valle (Komponist) über die Kastraten
sie seien „der größte Schmuck der Musik“
Johann Wolfgang von Goethe (Dichter)
meinte, dass – „in der Oper die schöne und schmeichelhafte Stimme der Kastraten, gar leicht mit allem aussöhnt, was an der verkleideten Gestalt Unschickliches erscheinen möchte“ oder „von einer solchen Stimme hatte ich gar keinen Begriff; einige der Stellen der Musik waren unendlich schön…“
Carl Friedrich Zelter (Musikpädagoge) an Goethe
„Eine Musik ohne männliche Soprane wird in solchem Raume immer von mäßiger Wirkung sein“ (bezugnehmend zum Kölner Dom)
Ernst Ludwig Gerber (Komponist) über Luigi Marchesi
„Seine Stimme ist vollkommen rein und hell wie Silberklang. Im Vortrag der Passagien und dem sogenannten Hammerschlag (il marteletto) wird er allgemein dem Farinelli vorgezogen“
Unbekannter Autor über Filippo Sassaroli
„man sehe gleichsam den vollen Silberton an den Wänden der Kirche herunterlaufen“.„Er setzte den Ton im leisesten, kaum hörbaren pianissimo an, es war, als ob ein leises Silberglöckchen erklänge, dessen Ton aber unaufhörlich wachse, in unmerklichen Graden immer mehr und mehr schwelle, während die Kirchengänger mit stockendem Atem, die Augen ängstlich nach dem Chor gerichtet, zuhörten. Der Zauberton wuchs und wuchs zu einer erstaunlichen Stärke, er füllte zuletzt die ganze Kirche aus. Aller Atem stockte; jetzt begann das Abschwellen des kolossalen Klanges, der ganz einem starken Trompetentone glich und nun in ebenso unmerklichen Graden sich milderte, abnahm, in welchen er vorher gewachsen, bis er wieder in kaum hörbaren Flüstern verduftete. Die Phantasie wurde durch diesen 50 Sekunden andauernden Ton so getäuscht, dass die Zuhörer Wetten auf eine viel längere Dauer des Tones eingingen“.
Giovanni Andrea Bontempi ( Sänger)
ist der Kastrat mit der „Engelsstimme (voce angelina)“
Felix Mendelssohn-Bartholdy (Komponist) über die Kastraten der Sixtina
„Dieses zarte Anschwellen und Abnehmen, zuweilen fast unhörbare verschwimmen der Stimmen – diese Stimmen klingen nicht wie Menschen-, sondern wie Engelsstimmen aus der Höhe. Es sei ein Klang den man nie wiederhöre!“
Wilhelm Heinse (Schriftsteller)
„Eine schöne, jugendliche, völlig ausgebildete Kastratenstimme geht über alles in der Musik. Kein Frauenzimmer hat die Festigkeit, Stärke und Süßigkeit des Tones und so aushaltende Lungen“.
H.F. Mannstein (Theologe)
„Kein anderer Mensch kann die Kastraten an Kraft, Biegsamkeit, Metall und Fülle der Stimme und Länge des Atems erreichen“.
Stendhal (Schriftsteller)
Wiedergabe eines Zitates eines Fan´s – „Meine Nachtigallen (er meine seine Vögel die er unterhielt) haben manchmal morgens falsetti, die mich an Marchesi oder Pacchiarotti erinnern“.
John Evelin (Autor)
„Ich hörte den berühmten Sänger, den Eunuchen Cifacca (gemeint Siface), den man für den besten in Europa hält. Tatsächlich ist es bewundernswert, wie er Töne aushält, sie an und abschwellen lässt, mit einer unvergleichlichen Sanftheit und Süße“.
Nikolaus Ludwig von Zizendorf (Theologe) über Marchesi
„Er hat ein Frauengesicht und Frauengebärden, eine Stimme die jede Frauenstimme übertrifft und erstaunliche Flötentöne“.
Charles Burney (Musikhistoriker) über Farinelli
„..einer Stimme mit so ungewöhnlicher Macht, Süße, Ausdehnung und Behendigkeit. Farinelli, ohne die Beihilfe von ausdrucksvollen Gebärden und graziösen Posen, entzückte und erstaunte die Zuhörer durch ihre Kraft, den Umfang und die honigsüßen Töne des bloßen Organs. Aber obwohl er während des Singens so bewegungslos wie eine Statue, war seine Stimme so aktiv, das keine Intervalle zu nah, zu weit oder zu schnell für seine Ausführung waren. Durch keine seiner Vortrefflichkeiten übertraf er so die anderen Sänger und setzte das Publikum in Erstaunen, als durch sein messa di voce, seinen Schwellton. Diesen konnte er zu so einer Länge ausdehnen, dass er Unglauben selbst bei denen, die ihn hörten, erregte. Diese, obwohl nicht imstande, das Kunststück zu entdecken, stellten sich vor, er habe eine versteckte Hilfe von irgendeinem Instrument, durch welches sein Ton fortgesetzt werde“.
Sir John Hawkins (Musikhistoriker) über Farinelli
„Sein Triller war genau und über alle Beschreibung süß und in der Behandlung seiner Stimme und der klaren Artikulation von Varianten und schnellen Passagen übertraf er jede Vorstellung“.
Nachtrag zu Alessandro Moreschi
“The last Castrato“ der „Engel von Rom“
Einziges momentan erhaltenes Tondokument eines Kastraten und der Ausklang einer großen Epoche.
In diesem Sinne:
„One god, one Farinelli“!!!
Arno Raunig – Sopranist
Elsern den 21. 9. 2025
Mehr Zitate und Informationen im Buch „Von Kastraten und Countertenören“ von Arno Raunig.